Seminar-Review: Vorstellung unterschiedlicher Methoden zur Verbesserung von Ängstlichkeit, Reaktivität und Aggressionsverhalten beim Hund (Nicole Pfaller)

Endlich mal wieder hab ich was zu reviewen, das ich richtig, richtig toll fand, und damit einen Grund, meinen Blog wiederzubeleben! Am Samstag hat Nicole Pfaller zum Thema “unterschiedlich[e] Methoden zur Verbesserung von Ängstlichkeit, Reaktivität und Aggressionsverhalten beim Hund” referiert. Ich glaube, dasselbe Seminar gibt es in absehbarer Zeit zwar nicht mehr, aber Nicole ist demnächst bei Sarina und Kenne von den Doglovers Graz zu Gast, um über BAT zu erzählen – das wird sich sicher teilweise mit dem heutigen Seminar decken. Wer also den Samstag verpasst hat, sollte sich den 5.9. freihalten!

Nicole 1

Je mehr Vortragende ich höre, desto mehr wird mir bewusst, wie schwierig es ist, die perfekte Mischung aus Grundlagenwissen (vs. wie viel man voraussetzen kann), weiterführender Information, illustrativen Beispielen/Anekdoten und praktichen Übungen zu finden. Natürlich ist diese perfekte Mischung auch für jede*n Einzelne*n im Publikum anders sein, weil jede*r ein anderes Vorwissen und andere Erwartungen mitbringt. Man kann bei sowas wohl immer nur für sich selbst sprechen. Für mich selbst kann ich jedenfalls sagen, dass Nicole am Samstag die perfekte Mischung getroffen hat. Mir war keine Minute langweilig, wenn Nicole bereits Bekanntes in ihren Worten erzählte, einen neuen Blickwinkel auf lerntheoretische Grundlagen warf, den einen oder anderen mir noch fehlenden Baustein in mein Hintergrundwissen einfügte …

Auch die Vorstellung der einzelnen Methoden, die auf die lerntheoretischen Grundlagen folgte, fand ich ausgesprochen spannend. Das, was man gemeinhin unter den Labels “Angst”, “Aggression”, “Reaktivität” etc. versteht, gehört für mich zu den spannendsten Verhaltensweisen, und ein wissenschaftlich und ethisch fundierter Umgang damit zu den wichtigsten Werkzeugen, die man in seine Werkzeugkiste packen sollte, wenn man mit Tieren arbeitet. Nachdem ich das selbst noch nicht so lange mache, freue ich mich jedes Mal, wenn Trainer*innen, die ich bewundere, ihr Wissen mit mir teilen.

Nicole hat 6 All-Around-Ansätze herausgegriffen und kurz umrissen, jeweils ein oder mehrere Videos zur praktischen Anwendung gezeigt sowie die lerntheoretische Hintergründe beleuchtet. Gerade der letzte Punkt hat mir ausgesprochen gut gefallen. Wenn ich weiß, warum das, was ich mache, wirkt, kann ich es viel bewusster einsetzen und für eine bestimmte Trainingsstrategie argumentieren. Und die Basis für das Warum, die findet sich nun mal in der Lerntheorie – und die ist an sich ja schon ausgesprochen spannend; ich könnte stundenlang darüber hören oder lesen, ohne je müde zu werden.

Nach der Analyse der Lerngesetze teilte Nicole uns jeweils ihre Einschätzung der Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden mit. Auch diesen Punkt fand ich sehr spannend – nicht zuletzt darum, weil er der Tendenz, nur eine einzige Methode für gut und richtig zu befinden, die uns leider unter Trainer*innen immer wieder begegnet, so wunderschön entgegengesetzt ist. Zu jeder der vorgestellten Methoden lassen sich Vor- und Nachteile finden, und welche ich anwende, hängt von den Umständen (Hund im Tierheim? Hund einer Privatperson? Etc.) und von den jeweiligen zwei- und vierbeinigen Klient*innen ab. Nicole fand an jeder Methode objektive Vor- und Nachteile (was nicht heißt, dass sie selbst alle Methoden anwenden würde) und betonte, dass es in der Praxis häufig zu Mischformen kommt. Tatsächlich ist das fast immer der Fall – lupenrein sind Methoden höchstens in der Theorie, und selbst dann basieren sie oft auf denselben Lerngesetzen. Es muss nicht darum gehen, die einzelnen Methoden zu ranken und zu vergleichen – sie dürfen einander durchaus ergänzen, und auch ein situationsbezogener fliegender Wechsel kann, ja soll sogar stattfinden. Und wenn wir trotz dem Dschungel an Akronymen auch noch wissen, was wir da eigentlich machen, statt einfach nur draufloszutun, sind unsere Erfolgschancen größer, unsere Erklärungen verständlicher und unsere Umsetzung fehlerfreier.

Die Ansätze, die Nicole vorstellte, waren konkret:

  1. Click and Retreat (Ian Dunbar und Suzanne Clothier)

Der Mensch geht auf den Hund zu, wirft ein Leckerli und entfernt sich sogleich wieder. Alternativ kann das Leckerli hinter den herankommenden Hund geworfen werden, sodass es der Hund ist, der sich entfernen kann.

Lerngesetzen im Hintergrund: klassische Gegenkonditionierung, DRO und R-.

Vorteile:

– Ein guter Ansatz für Hunde, die bereits über der Reizschwelle sind. Wenn mir ein bereits aufgeregt kläffender Hund begegnet, kann ich ihm ruhig ein Leckerli zuwerfen, bevor ich mich entferne.

– Click & Retreat gibt dem Hund die Möglichkeit, sich zurückzuziehen – es gibt dem Hund Kontrolle.

Nachteile:

– Nur interessant bei Angst/Aggression gegenüber Menschen.

– Aufgrund mangelnder Rückzugsmöglichkeiten für Mensch und Hund schwierig in kleinen Räumen umzusetzen (z.B. Tierheim).

  1. LAT (Look at That!, Leslie McDevitt)

Was soll ich sagen … LAT ist eins meiner Lieblingsspiele. Überhaupt bin ich ein großer Control-Unleashed-Fan und finde, dass sich fast alle von Leslies CU-Spielen nicht nur für Agilityhunde, sondern für jeden Hund eignen. Besonders das Puppy Program ist eins der tollsten Welpenbücher, die ich kenne. Also freue ich mich auch jedes Mal, wenn jemand von LAT redet! Bei LAT wird der Hund dafür geclickt, dass er den Trigger ansieht. Später wird dafür ein Signal eingeführt, und noch später clickt der Mensch dafür, dass sich der Hund zurück zu ihm orientiert.

Die Lerngesetze dahinter sind wiederum die klassische Gegenkonditionierung sowie die systematische Desensibilisierung.

Vorteile:

– Emotionale Reaktionen in schwierigen Situationen werden ins Positive verändert.

– Kann in unterschiedlichsten Situationen verwendet werden (z.B. Angst vor Hunden, Menschen, unbekannten Objekten …)

Nachteile:

– Muss unter der Reizschwelle geübt werden, um zu funktionieren.

  1. TACT (Touch Associated Clicker Training; Julie Robitaille & Emma Parsons)

 

Auch diesen Teil und die dazu gezeigten Videos fand ich sehr interessant. Von TACT hatte ich bereits gehört, mich aber noch nie damit auseinandergesetzt. Das werde ich jetzt bestimmt nachholen! Der Ansatz klingt toll, und das Workbook gefällt mir nach einem kurzen Durchblättern. Ein ganz kurz angeschnittener Aspekt, der im Video vorkam, klang besonders spannend für mich: der “secret handshake with strangers”. Ich vermute, dabei handelt es sich darum, dass dem Hund ein Kinn-Touch auf die ausgestreckte Hand beigebracht wird. Wenn ihm ein Fremder die ausgestreckte Handfläche anbietet, darf der Hund dann entscheiden, ob er sein Kinn drauflegen will (oder auch nicht), wofür er von seinem Menschen geclickt und belohnt wird. — Eine spannende Idee! Damit wird der Fremde teil einer vertrauten Struktur, und damit weniger unheimlich. Zugleich bleibt die Entscheidung zur Kontaktaufnahme beim Hund. Auch die Idee, dass der Hund bei TACT sogar an Berührungen gewöhnt wird, gefällt mir gut. Damit geht diese Methode einen Schritt weiter als viele andere.

Nicole meinte, TACT könne auf unterschiedlichste Hunde maßgeschneidert werden, verbindet Massage mit Clickertraining und enthält viele Grundlagenfähigkeiten, die im Alltag nützlich sind. Die Methode soll auch ausgezeichnet durchdacht und in vielen kleinen Schritten systematisch aufgebaut sein, wobei Elemente von LAT, Targeting, Mattentraining und Handtouch vorkommen. Wow – sehr spannend. Ich werde wohl bald mal wieder bei Tawzer bestellen müssen …

Lerntheoretische Elemente: Desensbibilsierung, Gegenkonditionierung, verbindet Massage & Verhaltenstraining.

Vorteile:

– Das Verhaltensrepertoire des Hundes wird erweitert.

– Strukturierter Aufbau. (Ich steh ja auf durchdachte Struktur im Training; Wischiwaschi-Methoden sind so gar nicht meins.)

– Viele Wiederholungen.

Nachteile:

– Kann nur für unerwünschtes Verhalten gegenüber Menschen eingesetzt werden.

– Erfordert viel Management im Alltag.

  1. Click to Calm (Emma Parsons)

ist eine der wenigen vorgestellten Methoden, bei denen der Hund nicht notwendigerweise unter der Reizschwelle bleiben muss. DRL wird angewendet, um den Hund von der unerwünschten Reaktion wegzushapen. Diese Methode hält Nicole für wenig sinnvoll und wendet sie auch selbst nicht an.

Lerntheoretische Hintergründe: operante Strategie (DRL, DRO, DRI), klassische Gegenkonditionierung.

Vorteile:

– Kann bei Aggression gegenüber Hunden und Menschen eingesetzt werden.

– Wirkt bei einem Hund, der ein guter Kandidat dafür ist, unter Umständen schnell, sofern es richtig aufgebaut wird.

Nachteile:

– Trotz allem wird das unerwünschte Verhalten verstärkt.

– Unerwünschte Verhaltensketten können entstehen.

Click to Calm habe ich vor Jahren gelesen und erinnere mich nicht an die Details. Ich weiß aber noch, dass mich etwas an dem Buch gestört hatte – es waren aber nicht die Dinge gewesen, die Nicole aufgezeigt hatte. Ein Blick ins Buch, und ich erinnere mich wieder. Es waren Absätze wie der folgende, die mich störten:

Emma Parsons

(Location 450; Click to Calm. Healing the Aggressive Dog. Parsons, Emma. Waltham: Sunshine Books, 2005. Kindle E-Book.)

Der zitierte Absatz spielt auf längst widerlegte Trainingsprinzipien an, was dem Buch einen unangenehmen Beigeschmack verleiht. Trotzdem enthält es auch Ideen – konkret eine -, die ich gern empfehle: Oft hat der Hund einen potentiellen Stressor noch gar nicht entdeckt, wenn die Reaktion seines Menschen ihn bereits in Alarmbereitschaft versetzt. Wenn es dir nicht gelingt, deine eigenen Stressreaktionen (verkrampfte Körperhaltung, beschleunigter Schritt, schnelles Atmen, plötzliches Luftholen, unwillkürliches Spannen der Leine etc.) zu unterdrücken, lehre deinen Hund in einer entspannten Situationen, dass diese deine Stresssignale Gutes für ihn bedeuten, indem du sie z.B. mit Leckerlis verknüpfst.

Auch die am Ende des Buches angeschnittene Idee, Beschwichtigungssignale unter Signal zu setzen, d.h. sie einem Hund, der Probleme im Umgang mit anderen Hunden hat, quasi wie eine Fremdsprache zu lehren, fand ich beim Lesen damals faszinierend. Um zu sagen, ob ich sie nützlich oder doch eher unangebracht finde, müsste ich mich aber erst näher damit beschäftigen.

  1. CAT (Constructional Aggression Treatment; Kellie Snider, Jesus Rosales-Ruiz)

Auch über diesen Abschnitt habe ich mich besonders gefreut: Ich kannte bisher nur diese Zusammenfassung zum Thema CAT und das Werbe-Video von Tawzer. In dem Video hätte ich, wie auch Nicole in ihrem Vortrag befand, den Hund verstärkt, sobald der Trigger auftaucht, statt zu warten, bis er bellt und dann wieder aufhört – die schriftliche Zusammenfassung fand ich aber sehr spannend und hatte darum schon länger in Betracht gezogen, mir die DVDs zu schenken: Besonders gefiel mir die Idee, dass CAT unter Umständen schneller wirken könnte als die weniger intrusiven Ansätze, mit denen ich bereits vertraut bin. Nach Nicoles Einschätzung bin ich jetzt aber davon abgekommen und werde mir wohl eher die TACT-Serie bestellen.

Und so sieht CAT in der Praxis aus: Der Klient*innenhund bleibt auf einer Position, aber der Trigger bewegt sich: Der Trigger erscheint. Bellt der Hund, passiert nichts, der Trigger bleibt. Sobald der Hund aufhört, zu bellen, verschwindet der Trigger.

Der lerntheoretische Ansatz dahinter ist also negative Verstärkung von angepasstem/ruhigem Verhalten.

Nicole meinte, sie würde niemandem empfehlen, CAT anzuwenden – es sei denn, es geht nicht andres. So könne es in Tierheimsituationen also durchaus sinnvoll sein. Das leuchtet mir so auch ein.

Vorteile:

– Wenn gut gemacht, kann es zu guten, schnellen Resultaten führen.

Nachteile:

– Nicht geeignet für Otto-Normalhundehalter.

– Muss in verschiedenen Kontexten wiederholt werden.

  1. BAT 2.0 (Behavior Adjustment Training; Grisha Stewart)

BAT ist auch eine Philosophie ganz nach meinem Geschmack: Sie enthält jede Menge Elemente, die im Alltag nützlich sind, und lehrt zugleich, auf den Hund und seine Körpersprache zu achten, um ihm jeweils die größte Kontrolle zuzugestehen, mit der er in einer bestimmten Situation zurechtkommt. Ich fand schon die 1.0-Version gut, und 2.0 gefällt mir ebenso. Die Strandanalogie ist Grisha ebenfalls sehr gut gelungen.

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Wie dem auch sei; ich war gespannt auf Nicoles Analyse, die mir dann auch sehr gut gefallen hat:

Lerngesetze: Gestaltung der Rahmenbedingungen, Desensibilisierung, Generalisation durch natürliche Verstärkung (Erkunden der Rahmenbedingungen, Kontrolle), Signaldiskriminierung, R+, R-.

Vorteile:

– Der Hund – nicht der Mensch! – hat Kontrolle über die Trainingssituation. Das ist empowering!

– Vor dem Training am unerwünschten Verhalten werden wertvolle Kenntnisse für den Alltag aufgebaut (Leinentechnik, Körpersprache, Survival Skills für den Alltag wie Mark & Move, Find it etc.)

– Die Hunde beginnen wieder, mehr zu kommunizieren. (Ein Riesenplus!!)

Nachteile:

– Braucht viele Wiederholungen.

– Schwer verständlich für manche Halter*innen: Es ist gar nicht so leicht, den Hund nicht ständig anzusprechen, sondern ihm einfach nur zu folgen.

Ich mochte auch, dass Nicoles Vortrag kurze Videos beinhaltete – die Länge war jeweils gut gewählt und vermittelte einen kleinen Einblick in die entsprechende Technik, ohne jedoch langatmig zu werden, und machte Lust, selbstständig weiter zu recherchieren, wenn man eine gewisse Technik noch nicht kennt. Nicole wählte teils Videos der jeweiligen Trainer*innen (Grisha, Jesus Rosales-Ruiz & Kellie Snider), eigene Videos aus ihrem Trainingsalltag mit eigenen Hunden oder Kund*innenhunden, aber auch andere Videos z.B. Donna Hill, Sarah Owings oder Jennie Murphy. Gerade dieser eklektische Ansatz hat mir gut gefallen, und auch, dass die vorgestellten Videos nicht immer “perfekt” waren. Schließlich ist auch der Alltag nicht perfekt, und wenn wir uns in der Theorie noch so genau überlegen, wie unser Training ablaufen soll, ist unser Timing dann doch manchmal ungenau, die Leine zu straff, oder wir erkennen erst im Nachhinein, dass wir vielleicht früher vom Trigger hätten abdrehen sollen. Jeder Hund und jede Situation sind anders. Auch orientierten sich die einzelnen Trainingseinheiten in den Videos nicht immer “lupenrein” an einer einzigen Technik, sondern mischten verschiedenes, was die Realität sehr gut widerspiegelt.

Eine weitere Auflockerung wurde durch zwei praktische Übungen erreicht: Einerseits gab’s eine Übung zu Grishas Leinentechnik, andererseits ein Clickerspiel. Ich hatte jeweils tolle Partnerinnen, viel zu lachen und jede Menge Spaß.

Die Leinentechnikübung zeigte sehr gut, wie sanft die Einwirkung beim Slow Stop sein kann, um am Hundeende der Leine doch gefühlt zu werden. Nicole hatte für jedes Team eine Leine dabei, zeigte die Technik kurz vor, erklärte sie wirklich verständnisvoll (Grishas eigene Erklärung auf der DVD hatte ich etwas verwirrender empfunden) und gab uns dann die Möglichkeit, das Ganze in 2er-Teams auszuprobieren. Genug Zeit, um mehrmals die Rollen zu tauschen, aber nicht so viel Zeit, dass uns langweilig hätte werden können.

Die zweite Übung machte gleich noch mehr Spaß. In 3er-Teams gab es jeweils eine*n Schüler*in, eine*n Lehrer*in und eine*n Beobachter*in. Die Schüler*innen wurden aus dem Raum geschickt, während die Lehrer*innen und Beobachter*innen instruiert wurden. Ich war Schülerin, und nachdem ich wusste, dass Nicole kürzlich mit Jesus Rosales-Ruiz und Mary Hunter PORTL gespielt hatte, war ich der festen Überzeugung, dass eine komplexe Verhaltenskette auf uns zukäme.

Schließlich durften wir wieder reinkommen und fanden auf unsren Plätzen mehrere Gegenstände vor:

Nicole 2

Wir wurden in 3 10-Verstärker-Durchgängen von unseren Lehrer*innen geclickt und sollten nach dem 10. Verstärker jeweils aufschreiben, wofür wir meinten, verstärkt worden zu sein, und wie wir uns dabei gefühlt hatten – eine gut durchdachte und ausgesprochen spannende Übung, wie sich herausstellen sollte. Ich kam nach einem anregenden Gespräch über Shelties und JAD-Dogs zurück, freute mich auf die Übung, sah die Gegenstände auf meinem Platz und war bereit, damit zu interagieren. Sobald das Startsignal gegeben wurde, hob ich mit der rechten Hand den Fuchs hoch, wurde geclickt und probierte, ob es auch für das Anheben der Taschenlampe einen Click gäbe. Ja! Und was war mit dem Plastikzahn? Ebenfalls! (“Hah, ich bin so gut!”, denkt sich Chrissi und freut sich an ihrer hohen Verstärkungsrate.) Ich probierte die weiteren Gegenstände durch und begann nach den ersten 4 oder 5 Clicks, mich etwas verunsichert zu fühlen, weil ich kein System erkennen konnte. Ich erhielt eine hohe Verstärkungsrate über die ersten 10 Verstärker hinweg. Anfangs fühlte ich mich gut (yey, hohe Verstärkungsrate!), dann unsicher (alles wird geclickt? Ich erkenne kein System dahinter!) Beim zweiten 10-Verstärker-Durchgang variierte ich die Reihenfolge der Gegenstände, um rauszufinden, ob es um eine bestimmte Reihenfolge ging. Nein! Wiederum war die Verstärkungsrate hoch und ich wurde für alles geclickt, obwohl ich diesmal auch die linke Hand einsetzte und den Zahn bewusst mit der Unterseite nach oben zurücklegte. Nach einem kurzen Hochgefühl aufgrund der hohen Verstärkungsrate stieg meine Irritation weiter an, weil ich immer noch kein System erkannte. Im dritten 10-Verstärker-Durchgang gab es plötzlich keinen einzigen Click mehr, auch nicht für das, was bisher funktioniert hatte. Häh? Was bitte sollte das?! Ich war ratlos und versuchte, die einzelnen Gegenstände höher anzuheben bzw. alle gleichzeitig anzuheben – das war wohl mein Extinction Burst! – und dann wurde die Session nach 30 Sekunden beendet. Ich war mehr ratlos als frustriert, weil ich den Eindruck hatte, nicht ich als Lernende sei “schuld” daran, dass ich das System nicht erkannt hatte, sondern meine Lehrerin – ganz offensichtlich hatte sie vergessen, den Schwierigkeitsgrad zu steigern, was sie schon im Laufe der ersten 10-Verstärker-Session hätte tun sollen, weil ich ja offensichtlich so toll gewesen war und alles richtig gemacht hatte, und dann, in der dritten Session, hatte sie den Schwierigkeitsgrad plötzlich viel zu schnell gesteigert, sodass ich keine Chance mehr hatte, erfolgreich zu sein. Gutes Shaping sieht anders aus, dachte ich mir, während ich sie ausfragte, was sie denn nun eigentlich gewollt hätte. Immer noch war ich der festen Überzeugung, dass ich hätte geshapt werden sollen, und ich wollte jetzt verdammt nochmal bitte endlich wissen, was das Zielverhalten gewesen war! Erst, als meine Lehrerin und die Beobachterin mir immer noch nicht sagen wollten, worum es gegangen war, wuchs meine Frustration. Hey, ich hatte mitgespielt, hatte mich bemüht – ich hatte mir die Lösung redlich verdient, verdammt!

Endlich wurde des Rätsels Lösung verraten: Es war überhaupt nicht um Shaping gegangen, sondern darum, tatsächlich in den ersten beiden Durchgängen für alles zu clicken und im letzten für gar nichts mehr. Das hätte ich so gar nicht erwartet; nie wäre ich darauf gekommen. Ich finde es ausgesprochen spannend, dass ich dieses nicht vorhandene System nicht durchschaut hatte, ja nicht mal im Traum darauf gekommen wäre, dass es kein System dahinter geben könnte! Und fast noch spannender fand ich, wie emotional involviert ich war und wie groß mein Wunsch, endlich die Antwort zu erfahren. (Shaping is, after all, all about surfing the extinction burst …!)

Auch das Feedback der Beobachterin fand ich spannend. Sie meinte, ich sei neugierig, aufgeregt und nervös gewesen, als ich in den Raum gekommen sei, und hätte bereits einen der Gegenstände (das Papier-Ding mit dem Flugzeug drauf) angefasst, bevor die Session überhaupt losging. Dann hätte ich sofort durch Aufheben mit den Gegenständen interagiert – vehementer, als sie selbst das getan hätte. Sie konnte sowohl meine Freude über die hohe Verstärkungsrate als auch meine Ratlosigkeit beobachten. Beim ersten Durchgang schaute ich noch auf die Gegenstände, beim zweiten dann zwischen Gegenständen und Lehrerin hin und her (Gibt mir ihre Körpersprache einen besseren Hinweis als der Click?), und beim dritten Durchgang schaute ich nur noch die Lehrerin an. Bereits nach fünf Sekunden ohne Click machte ich ein enttäuschtes Geräusch und hob die Gegenstände höher an, bzw. mehrere zusammen. Meine Beobachterin fand meine deutliche Enttäuschung nach bereits 5 Sekunden bemerkenswert.

Was mich besonders amüsiert: Ich sehe jede Menge Parallelen dazu, was ich in meinem Pudel beobachte, wenn ich sie zu selten clicke: Ihr “What-the-fuck-give-me-a-hint-mum! Any-hint-will-do!” ist ein forderndes Schnappen in die Luft bzw. Klappern mit den Zähnen. Und genau wie ich ist sie mit Feuereifer bei der Sache, wenn die Verstärkungsrate hoch ist, wirkt aber ebenfalls irritiert bzw. hört schließlich auf, zu experimentieren, wenn ich zu lange bei denselben Kriterien bleibe. Erst nach diesem Spiel wird mir jetzt ganz deutlich klar, was ich vor ein paar Monaten in Phoebe beobachtet habe, während ich Sue Ailsbys Shaping-Kurs besuchte. Ich nehme wohl an, ich löse manchmal ganz ähnliche Gefühle in meinem weißen Flauschtier aus wie meine Lehrerin am Samstag in mir. Ich bin meinem Hund wirklich ausgesprochen ähnlich: hochmotiviert, aber mit geringer Frustrationstoleranz!

Die Implikationen dieses Spiels sind faszinierend:

Wird zu lange dasselbe verstärkt, führt das zu Verwirrung, und wird nichts verstärkt, resultiert das in Frustration. Zweiteres war mir bewusst – ersteres nicht wirklich! Auch kommt das, was wir zu verstärken glauben, oft gar nicht so beim Lerner an. In einer anderen Gruppe war die Schülerin zum Beispiel der festen Überzeugung, bereits im ersten Durchgang würde nur bestimmtes Verhalten ihrerseits verstärkt. Extrem spannend. Ich glaube auch, wenn man so etwas selbst ausprobiert, ist die Wahrscheinlichkeit, es auch beim Hundetraining im Hinterkopf zu behalten, größer, als wenn man sich damit nur in der Theorie auseinandersetzt. Das war ein ausgesprochen gut organisiertes und kurzweiliges Spiel – danke, Nicole!

Anfang und Ende des Vortrags bildeten einen schönen philosophischen Rahmen für den Mittelteil. Nicole hatte uns zu Beginn daran erinnert, dass agonistisches Verhalten ein ganz natürlicher Teil des Ausdrucksverhaltens unserer vierbeinigen Freunde ist und wir im Grunde froh sind, dass unser Hund in der Lage ist, uns mitzuteilen, wenn ihm etwas zu viel wird. Ein wichtiger Gedanke, den man nur zu leicht vergisst!

Nach dem vermeintlichen Shaping-Spiel griff Nicole diesen rosa Faden wieder auf, indem sie uns ins Gedächtnis rief: “Der Organismus der Lerner hat immer recht” – er kann mit seiner Lernerfahrung in jeder Situation nur jeweils so reagieren, wie er das eben tut. Folglich kann es gar “kein ‘abnormales’ Verhalten [geben].” 

 

Das ist nicht nur wissenschaftlich gesehen wichtig, sondern auch ethisch gesehen: Solange wir im Gedächtnis behalten, dass ein Tier immer genau das Verhalten zeigt, das es in einer Situation zeigen kann bzw. muss, gibt es keinen Grund, uns über das Tier zu ärgern – allerhöchstens über uns selbst, weil wir ihm nicht verständlich genug erklärt haben, was wir von ihm wollen.

Auch die beiden anderen Rahmen, die Nicole zu Beginn ihres Vortrags gezogen hatte, schlossen sich am Ende wieder: Erst gab es eine kurze Zusammenfassung, die sich auf die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Methoden konzentrierte und unter anderem betonte,

– dass das Ziel jeder einzelnen Methode sei, die Lebensqualität der Lerner*innen zu verbessern,

– dass sie alle nicht nur am Problem trainieren, sondern auch wertvolle Alltags-Fertigkeiten aufbauen,

– mit gestellten Set-Ups arbeiten

– und mit zwei Ausnahmen (Click to Calm und CAT) Wert darauf legen, unter der Reizschwelle zu bleiben,

– dass sie alle eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen

– und, was ebenso wichtig ist, dass die verschiedenen Ansätze in der Praxis verschwimmen.

Auch diese Schlussbemerkung gefiel mir sehr, weil sie wiederum dem Methodenkrieg, der sich – zumindest im deutschsprachigen Raum – immer wieder abzeichnet, entgegensteht und zeigt, dass es nicht nur vertretbar, sondern sogar wünschenswert ist, sich umfassend fortzubilden und aus verschiedensten Ansätzen für die Praxis eben das herauszuholen, was für einen speziellen Fall am besten passt.

Die letzte Klammer, die Nicole am Ende schloss, ist die allerschönste: Ganz am Anfang hatte sie bereits erwähnt, dass eines der Ziele ihres Vortrags “die Verbreitung tierschutzgerechten Trainings auf Basis wissenschaftlicher Konzepte” sei. Hach, ja! Genau darum sollte es doch in allem gehen, was wir machen! Nicht darum, das eigene Wissen geheimzuhalten, nicht darum, sich zu ärgern, wenn jemand eine unserer Ideen umsetzt, sondern darum, den gemeinsamen Pool an Wissen und ethischen Trainingskonzepten zu vergrößern, indem wir Wissen weitergeben und teilen und damit – wie auch die einzelnen vorgestellten Methoden – die Qualität unseres Trainings erhöhen. Ich mag diesen Gedanken wirklich gerne. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft umso freier und humaner wird, je mehr Zugang jede*r Einzelne zu Bildung hat und je größer unser kollektiver Wissensschatz wird – nicht nur, aber auch im Hundetraining. Wissen wird nicht weniger, wenn man es teilt, sondern mehr. Praktische Erfahrungen muss ohnehin jeder für sich selbst sammeln.

Noch ein wunderschönes Nebenbei-Statement von Nicole würde ich gern erwähnen, weil mir auch das sehr gut gefällt und ebenfalls einem Trend entgegensteht: dem Unterschätzen der Hundehalter*innen. Ist das ein Trend im deutschsprachigen bzw. europäischen Raum, oder ist es ein allgemeiner? Zumindest in den Online-Communities, denen ich angehöre, habe ich mitunter den Eindruck, dass der englischsprachige bzw. US-amerikansiche Raum respektvoller mit Hundehalter*innen umgeht als der unsrige. Es scheint, dass manche Techniken darum abgelehnt werden, weil Trainer*innen davon ausgehen, dass Hundehalter*innen diese Techniken nicht verstehen oder falsch umsetzen würden. Für mich impliziert eine solche Einstellung, dass der oder die durchschnittliche Hundehalter*in “dumm” sei – jedenfalls dümmer als die oder der Trainer*in, die die entsprechende Methode schließlich auch verstanden hat.

Nicole begegnete einem entsprechenden Kommentar aus dem Publikum, indem sie überzeugt erklärte, dass ihrer Erfahrung nach Hundehalter*innen sehr wohl in der Lage seien, das Kleingedruckte der Körpersprache lesen zu lernen. Das finde ich schön, und ich teile ihre Meinung da auf jeden Fall. Ich gehe davon aus, dass die meisten dazu in der Lage sind, all das zu lernen, was ich selbst weiß; schließlich bin ich nicht klüger oder irgendwie “besser” als meine Mitmenschen, sondern habe höchstens ein kleines bisschen mehr Erfahrung oder Wissen in Bezug auf Fachgebiet A, während mein Mitmensch wiederum mehr Erfahrung oder Wissen in Bezug auf Fachgebiet B mitbringt. Und genauso, wie ich davon ausgehe, dass ich eine Expertin in Fachgebiet B werden könnte, wenn ich das wollte oder es nötig werden sollte, gehe ich auch davon aus, dass jeder meiner Mitmenschen ein*e Expert*in in Fachgebiet A werden kann, wenn er will oder muss. Genau wie unsere Hunde sind wir Menschen nämlich richtig gut darin, uns anzupassen und Neues zu lernen, sofern wir auf eine entsprechende Verstärkungsgeschichte zurückblicken. Und genau wie es nicht die Schuld des Organismus Hund ist, wenn er ein Trainingsziel nicht erreicht, sondern wir es verständlicher oder schlicht noch einmal erklären sollten, ist es nicht die Schuld des Organismus Mitmensch, wenn er eine Trainingsmethode nicht versteht – vielleicht sollten wir uns einfach nochmal gemütlich zusammensetzen, zuhören, auf Fragen eingehen und Unklarheiten beseitigen, ohne uns angegriffen zu fühlen.

Auch dieses respektvolle Eingehen auf Fragen und abweichende Meinungen – und auch das ist etwas, das ich umso mehr zu schätzen weiß, je mehr Vortragende mir begegnen – ist Nicole am Samstag ganz ausgezeichnet gelungen. Sie hat das Publikum zur Mitarbeit aufgefordert und sich offen auf Fragen eingelassen. Schön finde ich das – so schön. Denn, und das vergessen wir leider auch viel zu leicht: Nicht  nur unsere Hunde, sondern auch unsere Mitmenschen profitieren von Empowerment.

Danke also, Nicole, für einen inspirierenden Tag!

Control

… is a great movie about Ian Curtis, which you should definitely watch. While I hate to disappoint you, this blog post isn’t about Joy Division, but about dog training and closeted alpha theorists.

I went location scouting for a BAT set up today. So I was driving and thinking about training dogs, and ended up pondering closeted alpha theorists. A closeted alpha theorist is someone who believes in clicking and treating, but also in “setting boundaries” and “leading the dog” and “taking the responsibility of controlling the situation/the chance to control the situation away from the dog,” in “letting the dog know that the human is controlling the environment, and he doesn’t have to.”

To my ears, this sounds like a euphemism for the alpha theory. A straightforward, non-euphemistic alpha theorist would say something like, “All dogs want to control all humans! Therefore, we (qua humans) need to control all dogs. We need to let them know we’re in charge, and they aren’t.”

The closeted alpha theorist, on the other hand, uses a euphemistic, more subtle approach to convey the same message: Maybe not all dogs want to control all humans, but this particular dog sure is a bit obsessed with control. Maybe we don’t need to show all dogs who is in control, but we certainly need to show this dog.”

The openly alpha-theorizing trainer argues that “this dog wants to be higher-ranked than we are – he wants to control everything.”

The closeted alpha trainer, on the other hand, says, “that dog is insecure, and therefore, he thinks he needs to control everything. He doesn’t know that you will take care of the situation.”

While the underlying factions are slightly different (“dogs are power-driven hierarchy-climbers” vs. “dogs need a confident leader in order to be happy”), the implications are the same: “You (the person) need to control the dog.” The only difference is that the openly alpha-theorizing trainer wants to control the dog for her own, i.e. the trainer’s, sake, and the closeted alpha-trainer wants to control the dog for the dog’s sake. The open alpha trainer assumes an egocentric stance, while the closeted alpha trainer sees herself as altruistic. Still, whether they are aware of it or not, both follow an alpha approach to training.

Both myths make me cringe, but actually, the altruistic alpha myth makes me cringe even more because it’s harder to counter. It’s a sneaky myth, a wolf-in-sheep’s-clothing myth; the kind of myth that invades people’s minds easily. The closeted alpha approach is like a center right party. It’s a “respectable” conviction in society at large, the ÖVP of dog training. People who will indignantly distance themselves from the extreme right (or the open alpha theory) may still say that some ideas of that right-wing extremist do make sense. They themselves are no alpha-theorists, for sure. But they can certainly understand the people who are. And really, the alternative – the far left, the cotton ball throwers -, that kind of training certainly has its perks for soft dogs, but it wouldn’t work for their dog. Their dog, after all, likes to control his world.

The problem I see with both open and closeted alpha approaches is that they want to resolve problematic behaviors by means of taking control away from the dog. By means of “clear rules” (closeted alphas) or “strong leadership” (open alphas).

Unfortunately, this solution may actually look like it “works.” One example is what Rütter said in his cabaret at Stadthalle the other day. He suggested that dogs who are afraid of the vacuum be trained a really strong down/stay, first without the vacuum, then with the vacuum present.

A dog who is afraid of the vacuum, but has an incredibly strong down/stay, may actually hold his down/stay while the vacuum snuffles and grunts and wreaks havoc around him. He may stay on his spot, panting ferociously, but stay. As a result, he will get flooded. Flooding is one method of habituation. The other one is desensitization. The problem with flooding is that while it works for some dogs, it doesn’t work for others: “Stimuli that elicit really strong emotional reactions, such as fear, often don’t habituate. Instead they continue to affect the general arousal of the animal and make the response even stronger.” (Reid 36) If your dog is truly very afraid of the vacuum, he may get even more scared of it in the future if you force him to hold his down/stay. And not only that: he may even sensitize to additional sounds as well, such as the sound of the blender or the sound of the blowdryer. Very light fears are more likely to habituate, while full-blown fears are likely to sensitize even further – and while habituation is specific (e.g. habituation to only the sound of this specific vacuum), sensitization tends to generalize (i.e. sensitization to all kinds of noises).

In the down/stay situation with the vacuum, you controlled the dog. Both open and closeted alpha theorists may applaud you.

I (just like everyone else who truly opposes the alpha myth) would take a different approach to that problem. Instead of controlling the dog, we would control the vacuum. Start with counterconditioning in combination with desensitization. Have the dog move freely, and present the stimulus at an intensity he is comfortable with. It may take a while until you reach a point where he doesn’t care about the vacuum any more – but it’s worth the effort: no matter who uses the vacuum in the future, he’ll stay relaxed, and there is no need to “control” him in order to keep him from killing that expensive Dyson.

Phoebe isn’t in a down stay – she has learned that there’s no reason to get up. All she has to do when the vacuum goes on is continue whatever she was doing before, and every once in a while, treats will materialize in front of her nose.

The same holds true for dogs who are scared or over-excited by visitors. If you want to help the dog feel better rather than just suppress his reaction, careful counterconditioning and desensitization are the way to go, not flooding in combination with controlling the dog’s position. This is something I practiced with my last foster dog, and I was impressed by how fast he improved: when I couldn’t train, I managed him (had him hang out in a different room, behind a baby gate or in his box with a frozen Kong, for example). When I could concentrate on training, I had visitors come and go, come and go, come and go … in and out of my door. They would not approach him, but as soon as the door opened, I would feed him yummy treats at the other end of the room distance. When they disappeared, the treats stopped again. It took lots of repetitions, but with every new visitor I played this game with, he was able to stay more relaxed. He started learning that he could choose to not approach rather than having to be kept from approaching by force. He learned to control himself rather than being subject to his human’s control.

Let’s look at another example. Some dogs seem fine once they have gotten used to the fact that you, a stranger, are in their house: you are sitting down with their person, not looking at them, and you haven’t moved for half an hour. Slowly, their excitement level goes down. They start to relax. You don’t seem quite as scary after all.

A client has a dog like that. She gets excited and alarmed by visitors, but starts calming down after a while and approaches the new people.

However, as I kept observing her interactions, it turned out that her approach didn’t mean that she was okay at all. She was still past her magnet point, so approaching was not a choice for her – it was something she had to do. The trigger kept drawing her closer like a magnet. The living room was very small, so she would usually approach soon and even try to climb on visitors’ laps. When the visitors moved, she would stiffen and growl. I’ve observed a similar reaction in my last foster dog as well. What happened in these situations?

As the alpha fraction has it, “She was being dominant!” (Wrong answer.)

The closeted alpha might say, “She’s a dog who wants to control everything – she doesn’t allow you to move.” (Tricky answer!)

Let’s look at the closeted alpha answer in detail: control is indeed a primary reinforcer, making it something that animals (human and non-human) covet. It is not just any old reinforcer either, but a really potent one, since it is connected to safety (thank you, Christian Holeček, for this observation). Being able to control your own outcomes ensures your personal safety. This shows us that control has nothing to do with “dominance,” but with using your own behavior effectively. Control means that your behavior is having an effect on your environment. That makes it the opposite of helplessness (not being able to use your behavior effectively, and eventually giving up). So, indeed, the closeted alpha’s response contains a grain of truth. The dog tries to practice behavior in order to have an effect on his environment. Why? Because he wants to get some safety distance between himself and the scary monster (aka visitor)!

Why does the dog growl at visitors he had been fine with first? Because changing body positions are scary! Suddenly, the scary monster looks at him or touches him or moves. That’s way more scary than when the monster held completely still. The dog who growls at the moving visitor exercises the only behavior he knows will keep him safe. If he growled in the past and didn’t get eaten by the scary monster as a direct result, he will growl again in the future. Growling keeps scary monsters from eating dogs, and dogs do what works.

Imagine you are moderately scared of spiders. You wouldn’t choose to approach one, but when you happen to visit your friend’s place and realize he has a pet tarantula in a terrarium, you might be fascinated by the creature. It’s sitting completely still, and there’s glass between you, so you might be so intrigued that you go closer, maybe even tap the glass. You are thrilled, you heart rate fastens, but you feel fine – after all, the spider doesn’t move. After watching the motionless thing for a while, you’ll sit down for a coffee with your friend and almost forget it is there … until you see it moving from the corner of your eyes. All of a sudden, it jumps. It moved, you didn’t expect it, and you are likely to jump yourself. The same happens to the dog when the visitor makes an unexpected movement.

Why, then, did the dog approach the visitor in the first place? Because the visitor was too close for him to not approach, just like the spider in the terrarium drew you closer and made you run through your script for commenting on friends’ pets (“Big, beautiful, hairy!”) even though you don’t trust spiders.

Let’s get back to the training question. How is my approach different from a closeted or open alpha? Both closeted and open alpha theorists will try to solve the problem by means of minimizing the level of control a dog has over the situation.

They might punish the dog when he growls, thus contacting a strong reinforcer themselves: control. Controlling your dog is very reinforcing if you are the one doing the controlling. Even if we don’t punish the dog but “only” force him to stay next to the visitors and be quiet, for example in a down stay like Rütter suggested for the vacuum, again, this might look as if it worked: your dog has stopped growling; he might even have stopped behaving altogether (helplessness). If this is all that happens – lucky you.

However, it may get worse. Remember what we said about sensitization versus habituation? If the dog is forced to stay near the scary monsters (aka visitors) and is kept from behaving effectively, he is being flooded. Of course, there is a chance that he will habituate to the visitors and be fine in the future. However, the bigger his fear was initially, the bigger the chance that he might sensitize instead. In the future, he might not only growl at, say, male visitors or visitors in wheelchairs, but at all visitors. If you combined your “control” of the dog with punishment upon his initial growling, you might end up with an even bigger problem: you might end up with a dog who doesn’t growl, but bites right away.

Open as well as closeted alpha theorists will try to minimize the dog’s level of control in one way or another. If you truly distance yourself from the alpha myth, on the other hand, you will take an opposite approach and try to maximize the dog’s level of control. You will set up a safe environment for the dog to learn how to behave effectively in a way that doesn’t put him or yourself or your visitors in danger. The good thing is that this approach works, and there is no fallout. If it doesn’t work, it is not because the method is faulty but because you overwhelmed the dog with the situation and asked for more than he could handle. In order to set him up for success, you want to present the problematic stimulus at an intensity he is comfortable with: people at a far-enough distance for the dog to stay calm and relaxed, yet notice the trigger and gather information. A distance that allows the dog, as Grisha Stewart would have it, to stay in the green and blue zone:
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I did a BAT set up with a client the other day, and I loved how obvious it was that the distance to the trigger needed to be really, really big at first – way bigger than it would ever be on a walk through a busy neighborhood. This way, the pet parents could actually observe their dog making wonderful choices: gathering a little information about the trigger, than continuing to sniff and explore the area. Wandering to the left, to the right, behind a car … This is very different to the behavior the dog shows on their busy home street: she will try and approach everyone and tend to be hypervigilant. She may not bark at the first dog she encounters, but certainly at the third one. Giving her enough space in the set up gave her human mum and dad the chance to be proud of their dog’s good choices and to realize that, in fact, direct contact with the trigger was not the dog’s first choice, as they had thought it was. Most importantly, it showed them that they didn’t have to “control” her every movement all the time, either.

On a walk through a busy neighborhood, you are automatically in survival mode with your reactive dog. It’s hard for him to learn because his arousal is always high. Depending on the dog and the strength of his reactivity, he may be able to learn even in a highly stressful environment to cope better – or, like my client’s dog, he may not be able to do so; he may experience constant trigger stacking and not be able to “think clearly enough” to develop a set of alternative behaviors for difficult situations. As in the examples above, without helping him develop an alternative set of behaviors, he may sensitize rather than habituate.

The first dog (the one who is able to learn even though he is in a stressful environment) will do well even with a closeted alpha trainer. The second dog won’t: you can’t build confidence by means of minimizing your dog’s control over her outcomes. She may give up responding (which is probably your best case scenario), but won’t learn to relax in the vicinity of her triggers. In order to do that, she must have a chance to learn that her behavior is effective, and that curving around or walking away from a the trigger is a behavioral choice she can make. As you continue practicing, that distance will shrink, and eventually, the dog will be able to even make “good decisions” in a highly stressful environment. What’s more, he may even start to enjoy the company of his triggers. The path there is long, but it’s there, just waiting for you and your dog to walk it. It is paved with patience and understanding, not with control.

yelllow brich road

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For some wicked scientific background info on why it’s all about setting your dog up for success and letting him experience the effectiveness of his behavior, check out:

Reid, Pamela J. Excel-Erated Learning. James & Kenneth, 1996.

Stewart, Grisha. BAT 2.0 Series. (DVD) Tawzer, 2014.

Yin, Sophia. Solving Fear and Aggression. (DVD) Tawzer, 2013.

A word on dominance (for Tomte)

A while ago, Phoebe made a new friend: Berger Picard puppy Tomte. He’s a few weeks older than she and very cute. 

Tomte is his family’s first dog, and they made sure to properly integrate Tomte into their family. His mum and dad together agreed on the breed, and Tomte is allowed to sleep on their son’s bed as long as his son does his own dog-hairy laundry. He (the son) is already looking forward to starting agility once Tomte is a little older. Their little daughter is only five also adores her new canine companion. Tomte’s mum also hired a trainer to give them private lessons on how to live with a puppy. So, they’re well prepared for their dog, and he will grow up in a family filled with love and action. 

However, the other day, Tomte’s dad told me Tomte has started playing rough with his 5-year old daughter, and he’s worried that the dog might be trying to dominate her. I don’t know Tomte’s dad very well, and he didn’t ask me for training advice. Still, I felt that I had to explain that the dominance theory, while quite popular in the past, has been shown to be wrong, and that a puppy playing rough with a child isn’t trying to dominate her, but simply hasn’t yet learned how to properly play with 5-year-old girls. Of course, it’s important Tomte learns this soon, but clearly not by means of trying to, in turn, “dominate” him. Tomte’s dad seemed surprised, but there was no time to go into details, since our small talk was already over and we parted ways: he to his car, I to mine; work was calling. I don’t know their trainer personally, but I hope she’s not the Cesar Millan type and will tell them more about this topic.

In any case, on my way home, I decided it was time for a post about dominance theory. Let’s assume you need to explain to someone that canine dominance-seeking is a myth, and you only have a few minutes. Here’s three common misconceptions and their corrections.

Myth #1: Dogs are like wolves.

Fact #1: dogs originated from wolves and still share a number of behavioral patterns (e.g. walking in a circle before laying down) and physical qualities (same mitochondrial DNA, same number of chromosomes, same number of teeth) with them. However, dogs have evolved from wolves over thousands of years, influenced by evolution and selective breeding. Whatever breed of dog you look at, it will differ from a wolf in a number of ways:

– a dog’s motor patterns differ from a wolf’s predatory motor patterns. Wolves survive by hunting; their predatory motor patterns are orient – eye-stalk – chase – grab-bite – kill-bite – dissect – eat. Depending on the dog breed, the individual predatory motor patterns of the wolf have either been selectively deleted or enhanced. A border collie, for example, still uses eye-stalk when working with sheep, but doesn’t kill, dissect or eat the sheep. Generally speaking, many dog breeds today either don’t chase at all, chase but don’t kill, or chase, kill, but don’t dissect and actually eat what they killed: these motor patterns have been lost over centuries of selective breeding. Even feral dogs usually don’t hunt, but scavenge in garbage dumps, trash cans and on streets.

– A dog’s skull, mouth and teeth size differ’s from a wolf’s skull, mouth and teeth size. Wolves have stronger jaws and bigger teeth.

– A dog’s brain size differs from a wolf’s brain size (in fact, a dog’s brain is at least 20% smaller).

– A dog’s means of communication differ from a wolf’s means of communication. A wolf has 60 facial expressions to communicate with other wolves; a German shepherd, one of the dog breeds physically most closely resembling a wolf, only 12.

– Wolves live in close-knit packs of related, co-operative animals; dogs don’t. Even feral dogs don’t live in packs, but only join in loose, unrelated, high-turnover groups every once in a while.

– Wolves reach sexual maturity when they about 2 years old; dogs between the age of 6 and 12 months. Dogs have two oestrous cycles a year and may experience heat any time of the year. Wolves, on the other hand, only have one oestrous cycle a year and experience heat at the same time every year to ensure that the puppies are born in spring, when food is plentiful. 

As Barry Eaton has it, dogs are by now “as far removed from their ancestors as we are from ours.”

Myth #2: a dog sees his human family as his wolf pack and tries to gain “alpha status”.

Fact #2: a dog knows the difference between other dogs and people. That is to say, your family pet knows you are not a dog. She looks at her human family as a social community. She is motivated by what she finds reinforcing, and she loves working or playing with her human family members. Status isn’t on the mind of the average family dog at all: she is motivated by what she finds rewarding, not by the desire to gain “status”.

Myth #3: wolf packs are structured by means of dominance; i.e. every wolf strives to be the alpha in his pack.

Fact #3: wolf packs consist of related, co-operative animals. The misconception that wolf packs are structured by means of status stems from observations of wolves in captivity: the wolves kept together are often not related, and it’s not possible for young wolves to leave and start their own pack. Therefore, packs in captivity function differently than in the wild, and there is more conflict in captivity.
A free wolf pack consists of a core male and female and their offspring. The cubs from one litter stay for a year and help with the upbringing of the next litter. Then, having reached sexual maturity, they leave to find another young wolf of the opposite gender and each start their own pack.

Social life in a wolf pack is organized around the cubs, ensuring their wellbeing (in fact, not unlike in a functional human family). Especially if food is scarce, the cubs eat first; only afterwards do the adult wolves feed. The adult wolves don’t hurt and correct the cubs all the time, either: rather, young cubs have a “free pass” to explore life, try out their bodies in play, climb on their older siblings and parents or tug the adults’ tails.

Hence, if we really wanted to apply “pack rules” to dogs, we should learn to treat a puppy forgivingly rather than strictly, make sure it gets enough to eat and has a healthy diet, and protect it rather than trying to “dominate” it.

Why, then, have many professional dog trainers believed correction-based training to be crucial for so many years, and often still believe into the dominance theory?

I believe this is because we tend to judge the actions of others (human as well as non-human animals) from our own experience-based point of view: after all, our own experiences are the ones we know best, and therefore the ones that intuitively make most sense to us. 

When it comes to social co-existence, human culture tends to be structured hierarchically. I’m not saying that it should or has to be structured hierarchically, only that it tends to be structured hierarchically: traditionally, parents raise their children “with a firm hand,” teachers teach their students with an air of superiority, and companies, the military etc. are structured hierarchically as well. There are even circles of friends which are structured hierarchically. Therefore, people tend to assume that wolves and dogs must be constantly striving to further their status as well, just like themselves. Also, unfortunately, feeling “dominant” – whether this is over dogs or other people – can be very reinforcing for people.

While I believe that Western culture is firmly rooted in hierarchies, I don’t believe human society needs to or should be structured this way. I’ve also observed that everyone I meet who subscribes to gentle, positive dog training philosophies tends to approach her fellow human beings in a similarly gentle and positive way. A way that – if you ask me – is much more rewarding for everyone. —

For further discussion on the dominance myth, see Barry Eaton’s excellent book “Dominance in Dogs: Fact or Fiction?” (Dogwise, 2008)