Trennungsangst: 7 Bausteine

Kürzlich wurde ich gefragt, was man tun kann, um einem Hund das Alleinebleiben zu erleichtern. Ich dachte mir, warum nicht die Frage hier für alle beantworten, die unter ähnlichen Problemen leiden?

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Image courtesy of Ian Kahn/FreeDigitalPhotos.net.
Trennungsangst hat viele Symptome und kann sich je nach Hund ganz anders äußern: 

– Zerstörungswut: Schuhe, Pölster, Kleidung, Möbel etc., die unberührt bleiben, wenn die Bezugsperson zuhause ist, werden zerbissen, wenn der Hund alleine ist.
– Bellen/Winseln/Jaulen
– Unruhe: Der Hund läuft ständig auf und ab, hin und her, von einem Zimmer ins andere …
– Stubenunreinheit: Ein unter anderen Umständen stubenreiner Hund macht ins Haus, wenn er alleine ist.

Der Trick mit der Kamera

Manche Hunde werden bereits nervös, wenn die Bezugsperson Anstalten macht, das Haus ohne sie zu verlassen. Andere stimmen ein Bellkonzert an, sobald die Tür sich hinter ihnen schließt. Andere leiden erst einige Zeit, nachdem die Bezugsperson das Zuhause verlassen hat.

Um sicherzustellen, dass meine Hunde nicht unter Trennungsangst leiden, lasse ich die Kamera meines Notebooks laufen, wenn ich das erste Mal länger ohne Hund die Wohnung verlasse. So habe ich zum Beispiel festgestellt, dass Phoebe doch etwas unruhiger als gedacht war, als ich sie als Junghund zum ersten Mal für eine Stunde allein gelassen habe – daraufhin habe ich die Alleinbleib-Trainingszeit sofort reduziert -, und dass Fanta sich auch ohne mich nach kurzer Zeit bei mir zuhause gefühlt hat.

Kann sich Trennungsangst auch entwickeln, nachdem mein Hund bereits alleine bleiben konnte?

Leider ja. Genauso wie wir Menschen im Laufe des Lebens Ängste entwickeln können, die wir früher nicht kannten, kann Trennungsangst nicht nur bei jungen, sondern auch bei älteren Hunden auftreten. Ein Umzug, ein neuer Partner, eine Veränderung im Tagesablauf eines sensiblen Hundes, ein traumatisches Erlebnis, die plötzliche Zunahme der Zeit allein, neue Geräusche/Gerüche aus der Nachbarwohnung oder auch gesundheitliche Probleme, die den Hund nicht nur physisch, sondern auch psychisch belasten, können Trennungsangst auslösen. Der Deutsche Wachtelhund eines Bekannten etwa, ein Hund, der sein Leben lang gewohnt war, täglich mehrere Stunden alleine zu sein, bekam im Alter von 15 Jahren regelrechte Panikattacken, wenn er alleine bleiben musste: Gehör und Sehfähigkeit ließen nach, Schax war nicht mehr sicher auf den Beinen und hatte mitunter Probleme, sich zu orientieren. Glücklicherweise ging sein Mensch zu der Zeit in Pension, sodass Schax in den schwierigen letzten Monaten seines Lebens kaum alleine war. 

Der Auslöser der Trennungsangst kann aber auch ein winzig kleines Detail sein, eines, dass dem Menschen gar nicht auffällt, so sehr er auch danach sucht, sondern nur dem Hund. Wichtig ist in jedem Fall, einem sensiblen Hund mit Verständnis zu begegnen. Selbst wenn wir nicht immer genau sagen können, warum unser vierbeiniger Freund mit Unsicherheit und Verhaltensauffälligkeiten reagiert, führt der Weg aus der Trennungsangst nie über Strafen und harte Worte. Das ist mitunter die schwierigste Aufgabe für uns Menschen: Wenn wir keinen Grund für das Verhalten unseres Hundes finden können, tendieren wir dazu, genauso zu reagieren, wie wenn wir keinen Grund für das für uns unverständliche Verhalten eines Freundes oder Partners erkennen – mit Frustration und Ärger. Dies ist allerdings kontraproduktiv und erhöht den Stresslevel des Patienten weiter. In beiden Fällen, also bei zwei- wie vierbeinigen Freunden, sind Geduld und Verständnis gefragt – und konkrete Schritte, um die Situation zu entschärfen oder dem Betroffenen den Umgang damit zu erleichtern. 
Trennungsangst-Therapie: 7 Bausteine

Den Hund einfach zu ignorieren hilft in manchen Fällen, aber nicht immer. Bellen etwa ist für viele Hunde ein sogenanntes selbstverstärkendes Verhalten. Das heißt, das Bellen selbst hat einen befriedigenden Effekt auf den bellenden Hund. Und selbst wenn ein Dauerbeller erst nach Stunden ausdauernden Bellens mit der Rückkehr seines Menschen für sein Verhalten bestätigt wird, kann er daraus lernen, dass Dauerbellen irgendwann zum gewünschten Erfolg (Mensch kommt heim) führt. Selbst wenn sein Mensch schimpfend nach Hause kommt, weil sich im Treppenhaus schon die Nachbarn bei ihm über den lauten Hund beschwert haben, ist für einen Hund, der unter Trennungsangst leidet, die Erleichterung, nicht mehr allein zu sein, größer als die empfundene Strafe gegenüber dem schimpfenden Herren.

Kauen hingegen ist ein selbstberuhigendes Verhalten: Die Tätigkeit hilft dem nervösen Hund, sich zu beruhigen. Aus diesem Grund leiden manche Hunde nur unter Zestörungswut gegenüber Schuhen, Möbelstücken und Tapeten, wenn sie alleine sind: Nur dann steigt der Stresslevel so hoch an, dass sie einen Grund haben, sich selbst mithilfe des Kauens zu beruhigen.
Vergeht nun einige Zeit zwischen dem Akt der Zerstörung und der Rückkehr des Menschen, hat ein bestrafen oder schimpfen des Hundes bestenfalls einen befriedigen Effekt auf den Halter und keinerlei Effekt auf den Hund. Anders als der Mensch ist der Hund nämlich kein “time-binding animal” (Korzybski). Zumindest lässt sich das aufgrund Verhaltensbeobachtungen so vermuten – ich selbst meine, dass noch spannend wird, was wir in den nächsten Jahren und mithilfe des MRT scans noch über das Hundegehirn herausfinden werden, und dass wir vielleicht so manche Auffassung über unseren vierbeinigen Gefährten werden revidieren müssen. In jedem Fall scheint es bisher, als könne ein Hund eine Strafe, die zeitlich von einem Fehlverhalten entfernt ist, nicht auf das Fehlverhalten beziehen. (1)
Die beste Lösung ist also, das Alleinebleiben ganz langsam wieder anzutrainieren: Erst nur wenige Minuten, dann langsam steigern. In der Trainingszeit sollte der Hund niemals länger allein bleiben müssen, als er problemlos kann.

Das sagt sich zwar leicht, ist aber für viele nicht so einfach umsetzbar: Wir arbeiten, müssen einkaufen, haben Arzttermine und wollen hin und wieder abends ein Lokal besuchen. Nicht überallhin können wir einen Hund mitnehmen.

Ich habe mir 7 Bausteine einer Trennungsangst-Therapie überlegt, die je nach persönlichen Möglichkeiten frei kombiniert werden können. Ich hoffe, dass für alle Lebensumstände die eine oder andere praktikable Idee dabei ist.

1. TV-Training und die Kunst, zu unterscheiden

Versuche, bewusst das Alleinebleiben zu trainieren und langsam die Zeit auszudehnen. Wenn der vierbeiniger Gefährte trotzdem länger allein bleiben muss, können wir uns zunutze machen, dass Hunde Meister der Differenzierung sind. Zwei Beispiele: Ein Hund kann zum Beispiel lernen, an der Lederleine nicht zu ziehen, an der Gurtleine aber schon, weil nur an der Lederleine trainiert wird. Ein Hund kann auch lernen, dass es in Wohnung A erlaubt ist, auf der Couch zu schlafen, in Wohnung B aber nicht. Die Fähigkeit, unterschiedliche Situationen anhand von Details zu unterscheiden, begegnet uns im Training recht häufig – meist mit einer negativen Konnotation: Hunde tun sich schwer, zu generalisieren. Das heißt, dass Snoopy nicht automatisch im Vorzimmer “Sitz!” befolgen kann, wenn ich es bisher nur im Wohnzimmer trainiert habe. Wenn es um Trennungsangst geht, ist es allerdings praktisch, dass Hunde keine Generalisierer sind. Wie legen wir die Gabe, Situationen anhand von Details zu unterscheiden, also auf unser Trainingsproblem um?

Wenn wir das Alleinebleiben trainieren, drehen wir IMMER den Fernseher (oder das Radio) auf.

Wenn unser Vierbeiner hingegen einmal länger alleine bleiben muss, als er angstfrei kann (= kein Training!), drehen wir Fernseher/Radio NIE auf.

Viele Hunde lernen schnell, dass es okay ist, allein zu sein, wenn der Fernseher (bzw. das Radio) läuft, weil das bedeutet, dass ihr schnell wieder zurückkommt: Sie müssen sich nicht fürchten.

Wenn ihr also trainiert, dreht ihr Fernseher/Radio auf und geht erstmal für 2 Minuten weg. (In besonders schwierigen Fällen noch kürzer.) Wenn ihr zurückkommt, dreht ihr ihn ab und macht ganz selbstverständlich mit dem Alltag weiter. Wiederholen. Wenn die 2 Minuten für euren vierbeinigen Gefährten kein Problem mehr sind, dreht ihr den Fernseher auf und verlasst die Wohnung für 3 Minuten, kommt dann zurück, dreht wieder ab und macht ganz normal mit dem Alltag weiter, als wäre nichts besonderes vorgefallen, usw.

Gaaaaanz langsam steigert ihr die Zeit mit dem Alleinelassen im Training. Dabei ist wichtig, den Hund niemals zu überfordern: Das kann das bereits aufgebaute Vertrauen in die Fernsehzeit zerstören und zu Rückschlägen im Training führen. Anfangs im Minutentempo steigern, dann vielleicht +5 Minuten. Zwischendurch macht ihr den Schwierigkeitsgrad wieder einfacher und kommt schon nach 1 oder 2 Minuten zurück. Es verhindert Frustration im Hund, den Schwierigkeitsgrad nicht ständig zu steigern, sondern zwischendurch auch wieder zu senken.

Ganz wichtig: Immer, wenn ihr euren Hund länger allein lassen müsst, als ihr trainiert habt – immer, wenn ihr ihn allein lassen müsst und nicht 50 Euro drauf verwetten würdet, dass es kein Problem für ihn ist! -, dreht ihr Fernseher/Radio NICHT auf. Euer Hund wird in diesen Situationen wahrscheinlich weiter Verlustängste durchleiden, durch die fehlende Geräuschkulisse des Radios/Fernsehers wird im Idealfall aber der Trainingsprozess nicht beeinträchtigt, da der Hund die Situation aufgrund dieses Details als eine ganz andere empfindet und nicht generalisiert.

Erst, wenn die Trainingszeit die Länge erreicht hat, in der euer Hund tatsächlich allein bleiben muss, lasst ihr Fernseher/Radio jedes Mal laufen, wenn ihr weggeht. Dann sollte das Alleinebleiben in allen Situationen problemlos funktionieren.

2. Management: Hundesitter, Doggy-Daycare

Der Management-Baustein arbeitet nicht an den Wurzeln des Problems, sondern verhindert, dass der Hund in eine Situation kommt, in der er Trennungsängste empfindet. Dadurch lernt unser Patient zwar kein Alleinebleiben, allerdings werden seine Nerven und (im Falle eines chronischen Bellers) auch die Nerven der Nachbarn oder (im Falle eines zerstörungswütigen Vierbeiners) der Zustand der Möbelstücke geschont.

Idealerweise immer dann, wenn ihr nicht trainiert; alternativ immer dann, wenn möglich oder nötig, z.B. wenn ihr besonders lang unterwegs seid, sollte das Alleinlassen des Hundes vermieden werden. Vielleicht wollt ihr einen Hundesitter anstellen, der zwischendurch eine Stunde vorbeikommt und mit eurem Hund spazierengeht oder ihm in der Wohnung Gesellschaft leistet. Eine private Tiersitterbörse in Österreich findet sich etwa auf tiersitter24.at. Vielleicht könnt ihr den Hund auch tagsüber einem Freund vorbeibringen, der von Zuhause aus arbeitet. Oder vielleicht gibt es in eurer Nähe auch das in den USA bereits populäre Doggy-Daycare-Konzept, eine Art Hunde-Kindergarten, wo der Hund den Tag mit Betreuern und anderen Hunden verbringen kann.
Selbst wenn ihr nicht bewusst trainiert, kann es sein, dass nach ein paar Wochen oder Monaten das Alleinebleiben wieder funktioniert und der Hund wieder Selbstvertrauen und Vertrauen, dass ihn seine Menschen  nicht alleine lassen, zurückgewonnen hat.

3. Beruhigende Düfte, Wickel und Musik

Mutterhündinnen scheiden Pheromone aus, die eine beruhigende Wirkung auf die Welpen haben. Diese Pheromone können auch künstlich hergestellt werden. So gibt es Pheromonhalsbänder (sieht aus wie ein Flohhalsband), Pheromonsprays und Pheromonstecker (stell euch einen Gelsenstecker vor). Für manche Hunde wirken diese Beruhigungspheromone Wunder. Bei anderen haben sie überhaupt keine Wirkung; das muss man ausprobieren. Ich habe für Fanta ein solches Halsband ausprobiert, habe aber keinen Unterschied im Verhalten festgestellt. Eine Bekannte hingegen hat bei ihrem Greyhound eine riesige Verbesserung festgestellt; ihr Hund, der sehr schreckhaft und ängstlich war und dazu neigte, unter Stress nach anderen Hunden zu schnappen, konnte mit dem Pheromonhalsband problemlos ohne Leine und Maulkorb im Park spazieren gehen.

Pheromonprodukte sind nicht billig und müssen regelmäßig erneuert werden. Sie sind auf Amazon erhältlich (suche nach Adaptil) oder in Wien in der Agnes Apotheke, Silbergasse 15, 1190 Wien.

Eine weitere Möglichkeit sind Anxiety Wraps oder Thundershirts. Das ist ein Shirt für Hunde, das eng am Körper anliegt und einen stetigen Druck ausübt. Wie auch die Pheromone soll es manchen Hunden sehr helfen, wenn sie es in einer angstauslösenden Situation tragen (etwa beim Alleinebleiben), anderen hingegen gar nicht. Ich habe selbst noch nie ein solches Shirt ausprobiert und bin daher skeptisch, obwohl ich von mehreren Seiten positive Dinge über die Wirkung gehört habe. Glaubt man der Thundershirt-Homepage, so hat Druck einen beruhigenden Effekt auf das Nervensystem, indem er die Ausschüttung beruhigender Hormone wie Endorphone veranlasst. Auch diese Produkte finden sich auf amazon unter “Thundershirt”. Ein Thundershirt kostet um die 40 Euro, aber ist eine einmalige Investition.

Auch klassische Musik soll beruhigend wirken; ich konnte allerdings noch nie austesten, ob das tatsächlich der Fall ist. An Feedback zu diesem Thema wäre ich aber sehr interessiert. Falls einer meiner Leser bereits Erfahrungen mit solcher Musik gemacht hat, freue ich mich, in den Kommentaren darüber zu lesen! 

Psychoakustik ist die Wissenschaft, die sich mit der Wahrnehmung und Wirkung von Geräuschen auf Lebewesen befasst. Nicht nur auf Menschen, auch auf Hunde soll klassische Musik eine beruhigende Wirkung haben, sofern sie bestimmte Kriterien erfüllt. Eine in einem Tierheim durchgeführte Studie von Lisa Spector befand, dass Soloinstrumente, langsame Musik und einfache (d.h. wenig komplexe) Arrangements die beruhigendste Wirkung haben. In einer darauffolgenden Studie vergleicht Lisa Spector die Wirkung einer psychoakustisch zusammengestellten klassischen CD mit einer beliebigen klassischen CD. Beide CDs beruhigten die Hunde so weit, dass sie sich niederlegten; in der Gruppe der Hunde, die die psychoakustische Playlist hörte, sollen Angstzustände allerdings deutlicher reduziert worden sein als in der Kontrollgruppe. (2)

Psychoakustische Musik für Hunde basierend auf Lisa Spectors Forschung kann hier heruntergeladen werden. Ein Album kostet knappe 10 US-Dollar und enthält Musik von Mozart, Haydn, Beethoven, Chopin u.A.

Von Bachblüten und homöopathischen Mitteln halte ich persönlich nichts, daher fehlen sie in dieser Auflistung. Meiner Meinung nach beruht ihre Wirksamkeit einzig auf dem Placebo-Effekt, von dem Hunde, anders als Menschen, nicht profitieren können. Ich vermute, dass Menschen, die nach der Gabe homöopathischer Mittel eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ihres Hundes zu sehen meinen, einem “sekundären” Placebo-Effekt erliegen: Sie sehen, was sie zu sehen glauben. 
4. Kauen & Suchspiele: Ablenkung und Selbstberuhigung in einem
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Image courtesy of Grant Cochrane/FreeDigitalPhotos.net.

Die meisten Hunde lieben es, genussvoll an einem großen rohen Knochen, einem Kong oder einem Schweinsohr herumzukauen. Das ist nicht nur gut für die Zähne und bietet Beschäftigung, sondern hat auch einen beruhigenden Effekt auf den Kauenden. 
Muss ein Hund längere Zeit alleine bleiben, eignen sich besonders Kauartikel, an denen der Hund länger zu arbeiten hat. Kongs – Naturkautschuk-Kegel, die mit Futter gefüllt werden können – sind hier meine Erstwahl. Ein Kong lässt sich etwa mit Nassfutter füllen und in die Tiefkühltruhe packen. Ein solches Hundeeis garantiert dann ein langanhaltendes Kauvergnügen, das das Alleinebleiben erleichtert. Kongs lassen sich auch mit Käsestreifen gefüllt in die Mikrowelle legen – der Käse schmilzt und bleibt im Inneren haften – oder mit Erdnussbutter ausschmieren.
An natürlichen Kauprodukten sind besonders hart und langanhaltend Rinderkopfhautstangen (in Wien erhältlich bei Fressnapf, Megazoo und gelegentlich Loy’s), Ochsenziemerstangen (Fressnapf, Megazoo, Loy’s), große Kauknochen, und rohe Straußen- oder Kalbsknochen (auch bei Loy’s erhältlich). Loy’s bietet für das besondere Kauvergnüggen sogar Rehbeine inklusive Fell und Huf an. Die Auswahl ist also groß.
Nicht nur Kauen, auch Schnüffeln ist ein selbstberuhigendes Verhalten für Hunde. Wenn euer Hund gern Suchspiele spielt, bietet sich hier etwa an, Leckerlis oder das Abendessen an verschiedenen Stellen in der Wohnung zu verstecken, bevor ihr sie verlasst: Euer Hund ist mit Suchen beschäftigt, wodurch ihm nicht so schnell langweilig wird, und zugleich hat er etwas Beruhigendes zu tun.
Ebenfalls beliebt sind Leckerli-Bälle – Hundespielzeug, das am Boden herumgerollt werden kann, sodass ein Leckerli herausfällt – oder gefüllte Intelligenzspielzeuge, an denen der Hund Hebel betätigen oder Laden öffnen muss, um an sein Futter zu kommen.

Wenn euer Hund beim Alleinebleiben eher nicht frisst oder grundsätzlich nicht besonders verfressen ist, könntet ihr überlegen, sein reguläres Futter nicht davor oder danach, sondern ausschließlich beim Alleinebleiben anzubieten.

Falls euer Hund dazu neigt, beim Alleinebleiben Dinge zu zerstören, bieten sich auch Klopapierrollen, Kartons, zusammengeknüllte Zeitungen etc. an.Ungefärbtes Papier ist ungefährlich, auch wenn euer Hund es frisst.

5. Die Box: Sicherheit und Stubenreinheit

Falls euer Hund seine Stubenreinheit vergisst, sobald er alleine bleiben muss, oder die Wohnungseinrichtung nicht vor ihm sicher ist, ist eine stabile Hundebox eine gute Lösung. Für Hunde, die zu Zerstörungswut neigen, ist eine Box aus Metall oder Plastik besser geeignet als eine Stoffbox. 
Boxtraining sollte separat vom Alleinebleiben erfolgen! Idealerweise habt ihr bereits eine Box, in die sich euer Hund gern zum Schlafen oder mit einem Kauknochen zurückzieht. Dann kann der Hund, wenn er alleine in der Wohnung bleiben muss, einfach mit einem gefüllten Kong in die Box gelegt werden. Das schützt nicht nur die Wohnungseinrichtung vor zerstörfreudigen Hunden, sondern verhindert in der Regel auch Unfälle im Haus: Gesunde Hunde verrichten ihr Geschäft normalerweise nicht dort, wo sie schlafen. Ein Hund, der in seiner Box ist, wird selten einen Unfall haben. Ein weiterer Vorteil der Box ist, dass ein Hund, der seine Box kennt und liebt, sich darin sicher fühlt. In einem vertrauten kleinen Raum fühlt sich die Welt sicherer an als mit jeder Menge Bewegungsfreiheit. Auch Dauerbeller, die meinen, sie müssten die Wohnung gegen jedes Geräusch verteidigen, sobald ihr Mensch außer Haus ist, fühlen sich, wenn sie in der Box sind, oft dieser Aufgabe entledigt: Die Wände der Box, nicht die Wände der Wohnung, sind nun die Grenzen des Raumes, für den der Hund zuständig ist und den er verteidigen muss. So lässt sich’s für so manchen pflichtbewusste Wächter leichter entspannen!
6. Zusammen ist man weniger allein: ein Zweithund
Als Windhund-Fan weiß ich, dass etwa Greyhounds, die von der Rennbahn kommen, oder Galgos, die direkt von ihren Jägern kommen, in der Regel noch nie im Leben allein waren: Galgos leben und jagen in der Regel in der Gruppe, und Greyhounds werden in ihren Zwingern zwar häufig ohne menschliche Gesellschaft gehalten, wohnen aber Schnauze an Schnauze mit anderen Greyhounds. Für solche Hunde wirkt, wie zahlreiche Greyhound-Halter bestätigen können, die Gesellschaft eines zweiten Hundes oft Wunder, und das Alleinbleiben fällt so wesentlich leichter.
Auch für manchen Nicht-Windhund mag das zutreffen. Eine Garantie gibt es allerdings nicht, und ich weiß auch nicht, welcher Prozentsatz von unter Trennungsangst leidenden Hunden sich in Gesellschaft eines Zweithundes tatsächlich wohler fühlt. Vielleicht könnt ihr euch ja den Hund eines Bekannten für einen Probe-Alleinbleib-Tag ausborgen, um die Wirksamkeit von Hundegesellschaft auf euren Hund auszutesten.
Auch hierzu würde mich das Feedback meiner LeserInnen interessieren!

7. Beruhigungstabletten
Wenn all das nicht hilft und die Verlassensängste andauern, gibt es die Möglichkeit, sich vom Tirerarzt angstlösende Medikamente verschreiben zu lassen. Oft wird es sich um ein Produkt aus der Humanmedizin handeln, etwa Psychopharmaka wie Antidepressiva. Prozac etwa wird auch Hunden regelmäßig verschrieben und hat auf den Hund eine ähnliche Wirkung wie auf den Menschen.
Wenn es um verschreibungspflichtige Medikamenten geht – bei Menschen wie Hunden – hat wohl jeder eine andere Hemmschwelle. Während manche nicht zögern, zur Schulmedizin zu greifen, lassen andere lieber gänzlich die Finger davon, auch wenn Genesungsprozesse oder Schmerzen so länger andauern. Da muss jeder für sich bzw. seinen Hund selbst entscheiden, und nachdem ich selbst keinen medizinischen Hintergrund habe, halte ich es für legitim, da eine andere Meinung zu haben als ich. Meine persönliche Hemmschwelle jedenfalls ist niedrig, wohl weil ich selbst gute Erfahrungen mit Psychopharmaka gemacht habe und ihnen täglich ein Stück Lebensqualität verdanke. 

Stress stacking and stress endurance

Have you wondered why sometimes, your dog reacts in situations she usually doesn’t react in? Why sometimes, she lunges at a passing cyclist, and other times she doesn’t? How sometimes she barks at running children, while usually she notices them, but seems okay with it? How usually she’s fine with passing a strange dog, but sometimes barks and snaps at him? 

We tend to assume that a stress diagram looks like this, even when several potential triggers happen simultaneously:

Graphic 1: one potential trigger at a time

Unfortunately, this diagram only depicts your dog’s (lack of) reactivity when encountering one potential trigger at a time. If your dog is slightly excited by cyclists, slightly worried about running children, and just a little concerned about meeting strange dogs, neither of these potential triggers will take your dog over her threshold when encountered on its own (graphic 1).

However, what happens if there is more than one trigger? Rather than not affecting each other, stress levels pile up when happening simultaneously. Grisha Stewart calls this phenomenon “stress stacking.” Consequently, the diagram looks like this:

Graphic 2: stress stacking (several triggers simultaneously)

Imagine you and your dog are walking past a playground with children playing, shouting and running. If a cyclist passes the playground at the same time that a strange dog walks towards you, your dog’s stress levels stack up and she is pushed over threshold by the combination of triggers (graphic 2). 

Challenging environments and default stress levels

Stress levels are not only individual triggers. Challenging environments (e.g. an agility trial environment, a dog show environment, the vet’s office, a busy city center etc.) have a higher default stress level (DSL) than everyday life. Hence, in a challenging environment with a high DSL, it takes less triggers to put your dog over threshold, or she may be pushed over threshold by one individual trigger she normally isn’t reactive about.

Imagine walking your dog past the busy playground of our first imaginative scenario. A strange dog and his owner walk towards you, but there is no cyclist and there are no other distractions. Your dog will be fine; the combination of children and dog will stress her slightly, but won’t put her over threshold. 

However, imagine you are taking your dog to see the vet. The vet’s office has a higher DSL than everyday life. If there isn’t only a strange dog in the waiting room, but also a mother whose children are playing catch, your dog will be pushed over threshold by the same two triggers she could deal with outside the vet’s office (graphic 3).

Graphic 3: default stress levels (DSL) in challenging environments 

For some fearful dogs and many young puppies who are just getting to know the world, a foggy day, dusk, dawn or darkness may constitute a challenging environment as well: silhouettes and shadows look different at night than during a day, and many puppies have to get used to this before they are okay with it.

The time factor

Stress levels are not only affected by triggers present at the moment, but also by things experienced a little earlier. In fact, the adrenalin level in your dog’s body (as well as in your own body, for that matter) reaches its peak 15 to 20 minutes after a stressful event rather than right away. The testosterone level goes hand in hand with the adrenaline level and also peaks 15 to 20 minutes after a stressful event.

Furthermore, it takes a while for a dog’s (or human’s) nervous system to calm down again. Depending on the intensity of the stressful experience, the adrenalin level may take up to a week (!), the cortisol level up to 40 days (!) to go back to normal (graphic 4). (1)

Graphic 4: the short- and long-term development of hormone levels

Hard to imagine? Let’s look at another example (this example was suggested by Anne Lill Kvam during a dog trainer seminar last weekend): imagine you’re driving home from work, and someone takes your right of way. A little later, the same thing happens again. You’re slightly annoyed, but glad you avoided an accident. 15 minutes later, you unlock the door to your apartment and are greeted by your girlfriend with the words: “you didn’t forget the groceries, did you?” This innocent question puts you over threshold because your adrenalin and testosterone level have just reached their peak, making aggressive reactions more likely.

Practical implications

– Be patient – with yourself, with your dog, and with others. They probably can’t help their behavior: their hormone levels might be agitated. 

– Remember the importance of giving your dog frequent breaks, especially in stressful situations. (And give yourself breaks, too.)

– Introduce one new stimulus at a time when training new behaviors. 

– Lower criteria when practicing a new behavior in a challenging environment.

– If you have a performance dog, work on lowering the default stress level in challenging environments (such as the agility trial environment) in order to maximize performance. This should be done separately from working on other behaviors such as agility obstacles. Keeping the DSL low in challenging environments is an independent skill-set and should only be combined with other tasks after it has been established as a reliable foundation. 

(1) Thank you, Anne Lill Kvam, for pointing this out!

Canine stress-reduction, building block #1: exercise

I’m writing today’s post with a foster dog in mind. A dog that hasn’t experienced much love or trust in his life, and who’s moving into a foster home to prepare him for family life and adoption. 

Friends of mine just welcomed their second foster mix, Ema, into their homes, after their first one found his family for life. I might start working with a rescue organization myself in October – we’ll see; I’ll keep you posted. In any case, here’s the first article in a series about different building blocks a canine stress-reduction program might contain. Check back over the next weeks for other stress-reduction building blocks such as rest periods, nutrition, mental stimulation etc.

Not only people, but stressed, anxious or depressed dogs profit from exercise as well: there is a physiological reason to include long, slow and continuous workouts in canine stress reduction programs when it comes to dealing with anxiety, stress, fear or irritability. Especially long walks in quiet environments (hiking in the middle of nature …) have a positive effect, since they stimulate the release of serotonin, norepinephrine and β-endorphines. Let’s look at them more closely.

Serotonin is a neurotransmitter: a chemical substance that transmits information from one part of the nervous system to another. Serotonine influences an animal’s mood, pain perception (including the subjective pain an individual feels during emotional reactions), irritability threshold and sleep-wake cycle. In a word: a sufficient level of serotonin is crucial for mental well-being.

To give you an example: a study by Reisner et. al. found a correlation between a low irritability threshold and a lower-than-average serotonin and dopamin metabolites. Further studies showed that dogs who give a warning before biting and dogs who only bite gently have an average level of serotonin, while dogs who tend to bite without warning or harder tend to have a lower serotonin level. This is especially interesting because it shows that training your dog’s bite inhibition as a puppy is not the only factor influencing his future behavior: his brain chemistry will also have a say in his reaction. 

However, let’s take a quick look at a human example for the importance of serotonin as well. A chronic low level of serotonine causes depression. If your brain chemestry is not in balance, trying to cheer yourself up and seeing a psychotherapist might not be enough: while it will certainly be helpful, it won’t necessarily fix your serotonine levels. This is why antidepressants of the SSRI-type are designed to effect precisely the (extra-cellular) level of serotonin by means of inhibiting their re-uptake. SSRIs are frequently prescribed for depression, anxiety disorders and certain personality disorders. While the drugs won’t free you from the need to face your problems/fears/anxieties and work through them, they will help you get into a state of mind where you are able to face your fears and work through them in the first place.

Anxiety, phobias, fears etc. in dogs have been successfully treated with Prozac and similar drugs as well. The extra-cellular serotonine level is one of the places they affect. However, it should go without saying that drugs shouldn’t be the first choice when it comes to canine behavior modification. Drugs should only be used if they are necessary to help a dog (or human) to get to a place where they are able to respond to behavior modification training in the first place, but not as an “easy way out”. Furthermore, of course, drugs don’t solve the original problem, and working at learning how to cope with the environment or stressful situations in healthy ways will still be necessary. 

While I’m not a fan of always residing to chemical solutions, I firmly believe in the usefulness of conventional Western medicine for the treatment of depression or anxiety. So far, I’ve never had to medically treat these conditions in my dogs, but I have been helped by them myself. 

Norepinephrine (NE): among other things, norepinephrine (= noradrenalin) works as a neurotransmitter and hormon. It regulates your dog’s energy management. A high NE level may cause reactivity, impulsivity and irritability. A low NE level, on the other hand, causes the body to reduce its  energy use, resulting in lethargy and depression. The body can only tolerate a low NE production for a certain time before it shuts down completely: the resulting fatigue messes with the sleep-wake cycle, the ability to think rationally, it causes hyper-sensitivity to pain, and it reduces the ability to feel joy and respond to reinforcers.

Common causes for the decrease of NE production are cronic stress (shelter dogs are at risk!), traumata and learned helplessness. 

Endorphines are a dog’s natural painkiller. Furthermore, they stimulate the area in the brain where joy is experienced. Similar to humans who feel happy and relaxed after jogging (“runner’s high”), these chemical substances causes a feel-good effect in our dogs as well.

Why should a stressed or traumatized dog rather practice long, slow and continuous workouts than short and fast ones?

Short and fast, explosion-like workouts may influence the body in the same way that disstress does: it inhibits the production of NE rather than stimulating it. In extreme cases, this may even result in learned helplessness. (1) Long, slow and continuous workouts such as hikes, on the other hand, activates the NE production and increases the levels of serotonin and NE stored in the amygdala.

Does that mean agility, flyball, fetching and tugging are bad for my dog?

Of course not! Fast-paced dog sports can be A LOT of fun for both dogs and their people, as everyone who has ever participated or even only watched a dog-human team participating in them knows. As I said in the beginning, I wrote this article with a troubled dog in mind – or with a very sensitive one, if you want. And even for a dog like this, fast-paced dog sports may be a lot of fun. He may only need a little more time and gentle, understanding introduction (CU training) until he can enjoy them. 

(1) This was explored in a study with dogs on a treadmill. Cf. Steven Lindsey, Handbook of Applied Dog Behavior.